Vom Schuss

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Es ist wirklich eine abgelegene Gegend, in der ich jetzt unterwegs bin. Viele ganz kleine Dörfer, der Herbergsvater erzählte gestern Abend, dass das kleinste davon nur neun BewohnerInnen hat, der Ort, in dem ich geschlafen habe, aber um die hundert. Und in diesem Rahmen bewegen sich auch die vielen anderen Orte hier.
Ca. 10% dieser EinwohnerInnen waren abends mit uns in der Bar, natürlich nur Männer im gehobenen Alter. Hier saß ich dann auch mit einer Grazerin am Tisch, gemeinsam wurden wir später auf Kräuterlikör eingeladen, einer spielte Mundharmonika und alle sangen dazu. Eine Szene, wie man sie sich in einer spanischen Bar gut vorstellen kann.
Übrigens trag ich die Ansichtskarten, die ich in Santiago geschrieben habe, noch immer mit, denn Post gibt es in den kleinen Orten keine.
Auch die Landschaft hat sich verändert:
Man sieht keine Kühe mehr auf Weiden, sondern in riesigen Ställen, das bedeutet auch, dass über jedem Dorf dieser sehr spezielle Geruch liegt. Und egal, wo ich mich hinsetze, ich werde sofort von Fliegen belagert.
Die Orte werden kleiner, die Horreos – Maisspeicher – immer größer. Kein Wunder, außer Mais gibt es hier nicht viel auf den Feldern. Die Gegend lebte wahrscheinlich schon immer von der Milch- und Weidewirtschaft.
In den modernen Zeiten braucht es aber keine Horreos mehr, sondern die Silage wird mit Plastikfolie und Autoreifen zugedeckt und die Heu- und Strohballen werden ebenfalls in Plastik verpackt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen.
Die Gegend ist zwar ‚weg vom Schuss‘, aber Schüsse hörte ich heut fast den ganzen Tag lang. Am Vormittag sah ich die Jäger, als sie sich trafen. Wahrscheinlich jagen sie Wachteln. Was davon bei einem Treffer überbleibt, mag ich mir als Jagdunkundige allerdings nicht vorstellen.

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