
Reboredo – Cea
Heut startete ich mit einem ausgiebigen Hotelfrühstück in den Tag, das war auch gut und notwendig, denn bis zum Stadtzentrum von Ourense waren es noch sieben Kilometer, auf Durchzugsstraßen mit unglaublich vielen Autos und dementsprechendem Lärm und Gestank. Ourense, das ist die gallicische Schreibweise, spanisch schreibt man Orense. Heute ist es eine Industriestadt, aber in römischer Zeit war es reich. Der Name kommt von den damaligen Goldfunden (‚Oro‘). Auch die Thermalquellen liebten die Römer damals schon. Noch heute fließt das 65 Grad heiße Wasser in dichten Strömen aus dem Stein.
Die Kathedrale von Ourense stammt aus dem 12. und 13. Jhdt und ist derjenigen in Santiago sehr ähnlich. Ich gönnte mir eine ausgiebige Besichtigung.
Über die prächtige, alte Römerbrücke wollte ich danach die Stadt verlassen, war aber in der falschen Richtung unterwegs. Nach ca 500 Metern fiel es mir nur deswegen auf, weil es so ein besonders schönes Obstgeschäft gab, das mir schon beim ersten Vorbeigehen gefallen hatte. Noch einen Kilometer zum Tagessoll dazu .. Und die Camino-Weisheit des heutigen Tages, die auch für das ’normale‘ Leben tauglich ist: es ist keine Schande, in der falschen Richtung unterwegs zu sein, aber wenn es dir auffällt, solltest du stehenbleiben und dich orientieren, wohin du gehen möchtest.
So begann ich heuer erst sehr spät mit der eigentlichen Tagesetappe. Endlich gab es am Nachmittag wieder die schönen alten Steinwege, die ich von den anderen Jakobswegen kenne: man kann sich vorstellen, dass hier schon seit Jahrhunderten die Pilgernden mit ihren Gebeten und schmerzenden Füßen unterwegs sind. Ich reihte mich in ihre Reihe ein in unglaublicher Demut und Dankbarkeit, dass meine Füße mich heute wieder fast 35 km getragen haben.

Die Kathedrale

Die dampfenden Thermalquellen

Eigene Bänke für die Pilgernden, nicht einmal da ist mir aufgefallen, dass ich in die falsche Richtung unterwegs war.



Die 100 Km sind geknackt, heut Abend bin ich bei ca 84