Leon – Villar de Mazarife

3 Monate Hitze und 9 Monate Winter, so wird es von dieser Gegend gesagt. Und jetzt hat offensichtlich der Winter begonnen. Vorsichtshalber habe ich mir gestern noch Handschuhe gekauft, obwohl ich so manchen empfohlen hatte, einfach Socken an den Händen anzuziehen. Aber mit den Stöcken ist das dann doch nicht so praktisch.
Entgegen der gestrigen Wettervorhersage, wo tatsächlich nur 1° für Leon angekündigt gewesen war, hatte es heut morgen eh 6°, wie die Anzeige bei der Apotheke verriet. Und es wurde am Vormittag auch wärmer und jetzt kann ich in der Sonne sitzen.
Ich habe mir vorgenommen, mein Tempo etwas zu reduzieren. Irgendwo auf dem Weg habe ich die 300 km bis Santiago-Marke überschritten. Deswegen habe ich heute denselben Ort angestrebt, ca 20 km nach Leon, wo ich auch 2017 war. Schon im vorherigen Ort kam die Meldung: ’no beds free in Villar de Mazarife!‘ Sowas hatte ich ja schon öfter gehört und deswegen ging ich einfach los, gemeinsam mit Debbie und Barb aus den USA, die ich in letzter Zeit immer wieder treffe. In der ersten Herberge war alles voll, in jener von Jesus (das ist hier ein beliebter Männername) hatten sie genau drei Betten frei! Die standen noch dazu in einem gemütlichen kleinen Zimmer. Ein Pilger wird noch kommen, wir erwarten ihn mit Neugier. Das Besondere in diesem Haus sind die Graffitis an den Wänden, die Pilgernde hinterlassen haben.

Die anderen 40 Plätze der Herberge sind für Schulkinder reserviert, die vier Tage lang auf dem Camino pilgern. Insgesamt sind es 120, sie sind auf mehrere Herbergen aufgeteilt, was die Situation für die normalen Pilgernden etwas schwierig macht. Den ganzen Nachmittag kommen hier Menschen an, teilweise recht erschöpft, und sie werden weitergeschickt, mindestens 10 km, wenn es dort voll ist, würden sie in 14 km sicher einen Platz finden. Sie tun mir natürlich leid! Für mich und die beiden Amerikanerinnen hat es sich jedenfalls ausgezahlt, um 7 Uhr schon auf dem Weg zu sein.

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