Die kirchliche Herberge in Ponferrada, wo ich gestern die Nacht verbracht habe, feierte am Abend mit einer schön gestalteten Messe in der eigenen Kapelle und mit einer kleinen Feier den 25. Geburtstag. Sie ist nach Nikolaus von der Flüe benannt, dessen Gedenktag gestern war. Seit 25 Jahren betreuen hier Freiwillige aus aller Welt die Pilgernden, und das können immerhin bist zu 170 sein! Gestern waren es definitiv nicht so viele, aber auch wenn nur 20 Menschen in verschiedenen Gruppen oder alleine zu kochen beginnen, kann das in der Küche, die zugleich der Eingangsbereich ist, ziemlich laut sein und laut riechen.


In den letzten Tagen haben immer mehr Pilgernde davon gesprochen, wann sie in Santiago ankommen werden. Und möglichst nicht am 8. oder 9. Oktober, denn da ist angeblich der ganze Platz vor der Kathedrale gesperrt wegen der Filmdreharbeiten. Wahrscheinlich auch wieder so ein Camino-Gerücht.
Ich hab mir mein Ankommen noch nicht überlegt, sondern heut quasi neu gestartet: nach einigem Überlegen und Gesprächen habe ich mich entschlossen, in Ponferrada auf den Camino de Invierno, den Winterweg, zu wechseln. Früher war das die Alternativroute für die Wintermonate, wo Schnee auf dem Cebreiro-Pass lag. Heute ist dieser Weg wenig bekannt, und ich erhoffe mir hier weniger Menschen und mehr Stille. Gestern Abend hatte ich mich schon nach der Abzweigung erkundigt, war aber noch immer im Unklaren. Tagsüber hatte ich Olga aus der Ukraine wiedergetroffen, die ich seit zwei Wochen nicht gesehen hatte, und mit ihr Matt aus Holland, den ich auch etliche Tage aus den Augen verloren hatte. Diese Erlebnisse würde ich auf dem neuen Weg definitiv nicht mehr haben. Es ist auch auf dem Camino nicht ganz einfach, aus dem jetzt schon Gewohnten und Vertrauten auszusteigen, zu verabschieden mit all den Folgen und sich auf ganz Neues einzulassen.


Heute morgen bin ich dann den neuen Weg gestartet. Es war wunderschön zu gehen, auf Waldwegen, durch kleine Dörfer mit Steinhäusern, über Hügel und ganz hinauf bis zum Castillo Cornatel, wieder einer Templerfestung aus dem 11. Jhdt. Ich hab den ganzen Tag nur einzelne Dorfbewohner gesehen, aber überhaupt keine Pilgernden! Und auch keine Bar zum Einkehren! Deswegen stoppte ich nach 20 km in Borrenes. Weil ich aber auch hier nichts zu essen fand, nahm ich mir ein Zimmer in dem einzigen ‚Hotel‘. Hier werde ich dann auch gleich was zu essen bekommen. Ein Zimmer ganz für mich alleine! Welch ein Luxus!




