Rückenwind

Vormittags war ich auf der Überholspur unterwegs: ich wollte unbedingt vor der Mittagspause um 13.00 in Eunate sein, um die Kirche zu besichtigen. Wir waren ja schon 2011 da, aber damals war geschlossen. Die achteckige Kirche liegt nicht direkt auf dem Camino. Ich machte also einen Umweg und brauchte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 5 kmh, um rechtzeitig dort zu sein: keine Pausen, Fotostopps und Tempo zulegen unterstützt vom kräftigem Rückenwind … Um 12.58 war ich bei der Kirche und sie war tatsächlich bis 13.30 Uhr geöffnet, das heißt, ich hatte in Ruhe Zeit, sie anzuschauen. Ein Deutscher Bass kam und sang: Heilig, Großer Gott und Amazing grace (Gänsehaut!). Und er war dann noch so nett, mir einige Steinmetzarbeiten an der Kirche zu erklären.
Nach einer ausgedehnten Mittagspause hatte ich es nicht mehr weit nach Puente la Reina, der Stadt mit der schönsten Brücke auf dem Jakobsweg. Aber die fotografier ich erst morgen 😉

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Pamplona, olé!

Gestern gabs noch einen besonderen Abend in der Herberge: zwei deutsche Mädels, mit denen ich immer wieder unterwegs bin, spielten auf der Ukulele, die trägt Nora im Rucksack mit. Es gesellte sich der junge Spanier Piedro zu uns an den Tisch: er ist mit dem Rad und seiner Gitarre durch ganz Europa unterwegs und spielte in England, Berlin, Paris, .. als Straßenmusikant. Er verwöhnte uns mit spanischen Balladen und Flamencos.
Der heutige Tag war wieder sehr entspannt zu gehen, das erste Mal durch eine Stadt. Ich fühlte mich wie bei einer riesengroßen, aber einfachen Schnitzeljagd. Das Bett hab ich in einer kleineren Herberge in der Altstadt von Pamplona, und zwar im ‚oberen Stock‘, wie mir die freundliche Dame erklärt hat. Was das bedeutet, könnt ihr vielleicht auf dem Foto erkennen.

Hier werden zu St. Fermín die Stiere durch die Straßen bis zur Arena getrieben.⁠⁠⁠⁠


Während des Tages hat mich heut ‚Gabriellas Song‘ aus dem Film ‚Wie im Himmel‘ begleitet, das Melanie bei der Dankemesse so wunderbar gesungen hat. Ich empfinde eine große Dankbarkeit, dass ich diesen Weg gehen darf!

Back again!

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Dieses Foto ‚Hermi vor dem Schild‘ gibt es auch schon aus dem August 2011. Schon damals – und eigentlich noch viel länger – träumte ich davon, einmal auf dem Jakobsweg durch Spanien zu pilgern. Fast unglaublich, dass ich jetzt tatsächlich da bin!
Der heutige Tag war sehr entspannt zu gehen – 22 km meist durch den Wald, gemütliches bergauf und wieder bergab.
Der Großteil hier sind junge Menschen, sehr viele sind auch allein gestartet. Sie kommen vorwiegend aus Spanien. Frankreich und Italien, manche aus Deutschland, einzelne aus England, Amerika, Mexiko, Portugal, Island … Es ist schön, zu hören, wie sie zwischen verschiedenen Sprachen wechseln und nur so heraussprudeln. Bei mir hingegen ist fast jeder Satz in einer anderen Sprache holprig.
Aus Österreich hab ich noch niemandem getroffen. Bei Pausen, im Quartier redet man miteinander, aber auf dem Weg gehe ich gern alleine.
Eigentlich alle haben Probleme, sich meinen Namen zu merken. Sandra aus Deutschland stellte die Eselsbrücke her, die ich jetzt auch immer verwende: ‚Hermi wie Hermine, die Schwester von Harry Potter.‘ Das funktioniert!

Heute übernachte ich in der öffentlichen Herberge von Zubiri, einem kleinen baskischen Städtchen.

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Halleluja!

Ich habs geschafft! Dank Mariazell-Erfahrung hab ich die Pyrenäen ohne große Probleme überquert! Von 200 m in St. Jean gings hinauf auf 1400 m und 26 km in der Distanz. Die Aussicht soll ja atemberaubend sein, das kann ich leider nicht bestätigen, da ich fast den ganzen Tag im dichten Nebel gegangen bin. Teilweise hab ich nicht mehr als 10 m gesehen. Das macht dann doch auch ein mulmiges Gefühl. Ich hatte den Eindruck, ich bin da ganz allein unterwegs, bis dann plötzlich wieder aus dem Nichts andere PilgerInnen, oder auch Pferde oder Schafe auftauchten. Übrigens tragen hier die Pferde eine Kuhglocke – wahrscheinlich, damit sie im Nebel nicht verloren gehen.

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Jetzt bin ich in Roncesvalles, hab ein vegetarisches Pilgermenü verdrückt und werd in einem großen, aber neuen Schlafsaal mit vielen anderen die Nacht verbringen. Danke, Sonja, für die Ohropax!

Geschafft!

Die lange Anreise ist geschafft! Um 19.20 Uhr kam ich nach kleineren Problemen und sehr müde in St. Jean Pied de Port an. Im Pilgerbüro holte ich mir meinen ersten Stempel und die Adresse einer Herberge. Ich hatte großes Glück: 9 Personen sind hier untergebracht, die Herbergsleute haben ein 4gängiges Menü serviert und danach gab einer der Pilger noch ein kleines Konzert auf seiner Geige, die er auf dem Pilgerweg mit trägt. Jetzt ist aber Zeit zum Schlafen.

Ankunft in München

So eine Fahrt mit dem Flixbus ist spannend: das Gepäck müssen alle selbst verstauen, was bei großem Koffer und vollen Gepäcksfächern durchaus anspruchsvoll ist. Der Bus hat einen Stock und war total voll. Keine Spur von ‚modernem Reisebus‘. Einmal wurde ich von Schreckensrufen aus der ersten Reihe geweckt: in der Poleposition wirkte die Fahrweise offensichtlich nicht besonders Vertrauen erweckend.
Da wir 45 Minuten Verspätung hatten, durften wir bei der angekündigten Pause doch nicht den Bus verlassen. Dem entsprechend war das Busklo bis unter den Rand voll.
Und dann gabs noch eine Polizeikontrolle: „Sprechen Sie deutsch? Sagen Sie durch: die Polizei möchte die Pässe kontrollieren,“ hörte ich durch den Lautsprecher. Und wenig später in versuchtem Englisch den Fahrer: „control – passports – police – sit!“ Keine Ahnung, welche Nationalität die Fahrer hatten…
Mit einer Stunde Verspätung sind wir in München angekommen. Gut, dass ich erst in einer zusätzlichen Stunde den Anschluss nach Paris habe. Und der kommt auch wieder „15 Minuten“ später…

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Los gehts

Der Rucksack ist gepackt und hat 7 kg. Morgen fahr ich um 11.00 Uhr von Göllersdorf weg, dann mit dem Fernreisebus nach Paris und am Montag mit dem Zug und wieder Bus nach St. Jean Pied du Port. Wenn alles gut geht, kann ich am Dienstag starten.IMG_20170812_151801