Camino del Norte

‚Warum noch einmal den Jakobsweg? Da warst du doch schon voriges Jahr!‘, haben mich in letzter Zeit viele gefragt. Tatsächlich gibt es nicht DEN einen Jakobsweg, sondern ein ganzes Jakobswege-Netz, das Europa durchzieht und seit 1000 Jahren die Pilgernden nach Santiago führt. Einer dieser Wege und der bekannteste ist der ‚Camino francés‘, den ich voriges Jahr gegangen bin. Genau wie dieser führt auch der Camino del Norte von der französischen Grenze bis nach Santiago, aber eben ganz im Norden, an der Küste entlang. Dieser Weg ist seit 1000 Jahren begangen und war der erste Jakobsweg. Zu Beginn dieser Tradition hatten die Mauren wichtige Städte des direkten Weges besetzt. So waren die Pilgernden gezwungen, einen Umweg über die kantabrische Küste zu nehmen.
Seit 2015 ist dieser Weg Weltkulturerbe und seither wird er auch besser beschildert.
Als anspruchsvollerer Weg, auf dem es oft keine klare Routenführung gibt und wo es täglich regnet, wurde mir der Camino del Norte angekündigt. Nach dem heutigen ersten Tag kann ich das bestätigen: von Iruñ, das auf Meereshöhe liegt, nahm ich die schönere Route über den Berg Jaizkibel auf 520 m Seehöhe. Ziemlich am Gipfel erwischte mich ein kräftiger Regenschauer, vor dem ich mich mit meinem Schirm in die Ecke einer Ruine flüchtete. Danach bot sich mir entlang des Kraters ein grandioser Ausblick: rechts das tiefblaue Meer, links der totale Nebel!
Von ganz oben musste ich wieder auf Meeresniveau hinunter nach Pasaia. Diese Stadt liegt beidseitig einer Bucht, die ich mit einer Fähre querte. Dann gings wieder unzählige Stufen bergauf auf und auf dieser Höhe entlang des wunderschönen Atlantiks bis nach San Sebastian. Es ist eine ganz einfache provisorische Herberge in einem Turnsaal, aber sie liegt ganz nah am Strand. So sitz ich jetzt hier und beobachte die Kinder, die riesigen Spaß an den hohen Wellen haben, während im Hintergrund Surfer ihre Standfestigkeit erproben.

2 Kommentare zu „Camino del Norte

  1. WUNDERSCHÖN! Diese satten Farben, deine eindrucksvollen Schilderungen……….So kann ich annähernd nachvollziehen, wie du dieses Land erlebst, wie du deinen Weg bestreitest……..Ja, ich schnuppere schon fast Meeresluft und spüre eine feucht-salzige Brise auf meiner Haut. Ich wünsche dir viele gute Begegnungen und Erfahrungen und dass du aus dem Staunen nicht herauskommst! Alles Gute und pass auf dich auf! Dany

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