Am Ende der Welt

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Es war heut der erste Tag seit fünf Wochen, an dem ich nicht gepilgert bin, und es ist seit dieser Zeit auch das erste Mal, dass ich zweimal hintereinander im selben Bett schlafe. Das ist normalerweise in Pilgerherbergen nicht erlaubt, aber an den Endpunkten kann man das machen.
Den Tag verbrachte ich mit frühstücken, mit Strandspaziergang, mit Muschelsuchen und sogar ein längeres Bad im Meer war möglich. Die Sonne zeigte sich zwar nur kurz, aber das Wasser war nicht zu kalt.
Wie ausgemacht trafen wir uns heute hier am Ende der Welt, deutsche PilgerfreundInnen kamen zu Fuß oder mit dem Bus aus verschiedenen Richtungen. Gemeinsam genossen wir ein wunderbares vegetarisches Menü in der ‚World family‘. Das ist ein Lokal einer Hippie-Kommune, von denen es in Fisterra einige gibt. Sie verkaufen auch bunte Kleidung und treffen sich abends am kleineren Strand.
Wir jedoch wollten den Sonnenuntergang am 0,000 km Stein genießen und hatten auch ein Picknick dafür eingekauft. Alles war perfekt, nur dass kurz vor Sonnenuntergang wieder der Nebel einfiel und die Sonne sich nicht blicken ließ. Trotzdem hatten wir einen wunderbaren Abend am Leuchtturm und sind erst kurz vor Mitternacht in die Albuerge zurückgekommen. Deswegen hat der Blog heut auch etwas Verspätung.

Finisterre

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Gestern abend war es in der Herberge noch sehr gemütlich. Wir wurden vegetarisch bekocht und feierten dann auch noch den 56. Geburtstag des Hospitaleros. Es waren nur Camino-Freaks hier, einer ist von Frankreich insgesamt 1.900 km unterwegs, andere haben schon die unterschiedlichen Wege in Spanien begangen. Lange spanische Gespräche, die ich oft nur ansatzweise verstand, die aber eine gute Hörübung waren, drehten sich daher um die verschiedenen Caminos.

Über Nacht ist es Herbst geworden.
Nur mehr acht Kilometer waren es heute bis zum Ort Fisterra, und dabei konnte ich so richtig gut nachvollziehen, wie es Pilgernden früher gegangen ist. Auch sie haben wahrscheinlich das Meer rauschen gehört, bevor sie es gesehen haben. Und wenn sie schon aus irgendwo in Europa gekommen und dann auf dem Camino frances durch Spanien gepilgert waren, hatten sie es vielleicht nie zuvor gesehen! Dieser Landstrich, der immer schmäler wird, muss ihnen wirklich ungeheuerlich vorgekommen sein. Wie ich sind sie dann vielleicht hinunter zum Strand und an diesem entlang gelaufen, und da gaben sie wahrscheinlich auch diese spezielle Jakobsmuschel gefunden, die ich heut plötzlich vor mir liegen hatte. Sie gibt es nur an diesem Strand und war für die Pilgernden früher der Beweis, dass sie tatsächlich nach Finisterre gepilgert sind. Obwohl ich das nicht brauche, habe ich mich sehr über die gefundene Muschel gefreut. Aber ich hab mir auch die andere Bestätigung abgeholt: auch auf dem Weg hierher hab ich Stempel gesammelt und durfte mir daher die Finistella abholen. Sie bestätigt den Weg von Santiago hierher und ist eigentlich schöner als die Compostela.
Abends wollten wir noch den berühmten Sonnenuntergang ansehen, der fiel allerdings heute mit dem vielen Nebel sehr mystisch aus.

Finisterre oder Muxia

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Gestern hab ich von den kleinen Dörfern erzählt. Abends wirkte alles ganz anders: der Ort war überschwemmt von Pilgernden. Und es ist wirklich eine sehr sonderbare Mischung von Menschen, die hier westlich von Santiago unterwegs ist: Sicher die Mehrzahl trägt nur einen kleinen Tagesrucksack, den Rest des Gepäcks lassen sie sich von einem Taxi transportieren, oft in einem übergroßen Koffer. Viele hier sind aus Deutschland, viele tragen neue Outdoor Bekleidung, und am Abend tauchen sie geschminkt, gestylt und mit schönen Schuhen auf. Auch zwei Wienerinnen hab ich gesehen, die stehen den Deutschen um nichts nach.
Und dann kommen die Fragen und Vergleiche: wer ist welchen Camino gelaufen? Wie viele Kilometer? Mich fragte sogar jemand, wie viele Höhenmeter es am Camino del Norte waren. Andere fragten, wo ich gestartet sei, konnten aber mit Iruñ überhaupt nichts anfangen. Es gibt hier welche, die nur die Runde Santiago-Finisterre-Muxia machen, weil es eben schön und entspannend ist.

Heute morgen gelang mir das Kunststück, als letzte der ganzen Herberge um 8 aufzuwachen, kurz bevor die Reinigungsfrau kam. Alle anderen waren schon weg. Ich frag mich auch immer, warum sie so früh aufbrechen, wo es doch stockfinster ist?

Obwohl der Tag mit einem schönen Sonnenaufgang begonnen hatte, war es dann den ganzen Tag nebelig. Nach einigen Kilometern kam dann die Entscheidung: Finisterre oder Muxia? Ich möchte beides in dieser Reihenfolge und bog deswegen links ab.
Das Wiedersehen mit dem Meer fiel leider dem Nebel zum Opfer und so stört es mich auch nicht besonders, dass ich nicht unten im Ort Corcubion, sondern in einer netten Donativo-Herberge am alten Pilgerweg übernachte, bevor ich morgen die letzten 9 km bis Finisterre pilgern werde. Und das Beste: hier bin ich die einzige Deutschsprachige 😊

Es war gut, heute alleine auf dem Weg zu sein, es ist genau mein 30er Hochzeitstag. Erinnerungen kamen hoch, Wünsche und Erwartungen von damals, ein bisschen Traurigkeit über alles, was nicht sein konnte. Aber doch auch das Gefühl: es ist gut, so wie es ist.

Vom Schuss

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Es ist wirklich eine abgelegene Gegend, in der ich jetzt unterwegs bin. Viele ganz kleine Dörfer, der Herbergsvater erzählte gestern Abend, dass das kleinste davon nur neun BewohnerInnen hat, der Ort, in dem ich geschlafen habe, aber um die hundert. Und in diesem Rahmen bewegen sich auch die vielen anderen Orte hier.
Ca. 10% dieser EinwohnerInnen waren abends mit uns in der Bar, natürlich nur Männer im gehobenen Alter. Hier saß ich dann auch mit einer Grazerin am Tisch, gemeinsam wurden wir später auf Kräuterlikör eingeladen, einer spielte Mundharmonika und alle sangen dazu. Eine Szene, wie man sie sich in einer spanischen Bar gut vorstellen kann.
Übrigens trag ich die Ansichtskarten, die ich in Santiago geschrieben habe, noch immer mit, denn Post gibt es in den kleinen Orten keine.
Auch die Landschaft hat sich verändert:
Man sieht keine Kühe mehr auf Weiden, sondern in riesigen Ställen, das bedeutet auch, dass über jedem Dorf dieser sehr spezielle Geruch liegt. Und egal, wo ich mich hinsetze, ich werde sofort von Fliegen belagert.
Die Orte werden kleiner, die Horreos – Maisspeicher – immer größer. Kein Wunder, außer Mais gibt es hier nicht viel auf den Feldern. Die Gegend lebte wahrscheinlich schon immer von der Milch- und Weidewirtschaft.
In den modernen Zeiten braucht es aber keine Horreos mehr, sondern die Silage wird mit Plastikfolie und Autoreifen zugedeckt und die Heu- und Strohballen werden ebenfalls in Plastik verpackt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen.
Die Gegend ist zwar ‚weg vom Schuss‘, aber Schüsse hörte ich heut fast den ganzen Tag lang. Am Vormittag sah ich die Jäger, als sie sich trafen. Wahrscheinlich jagen sie Wachteln. Was davon bei einem Treffer überbleibt, mag ich mir als Jagdunkundige allerdings nicht vorstellen.

Ankommen – und Weitergehen

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Auf dem Jakobsweg nach Santiago pilgern, okay. Aber warum um Himmels willen noch mal über 90 km nach Finisterre und vielleicht zusätzliche 30 bis Muxia?
Das fragen sich wahrscheinlich seit Generationen viele Menschen, die selbst nie so weit gepilgert sind.
Denn immer schon war für viele Pilgernde nicht Santiago, sondern die Ankunft am Meer, dort, wo die Welt zu Ende scheint, das Ziel ihres Weges. Auch heute ist das angeblich für den Großteil der deutschsprachigen Menschen so. Oft ist der Trubel und Lärm in Santiago groß, hunderte Menschen, die täglich hier einmarschieren, dazu viele, die mit Bussen kommen, die vielen Souvenirläden, die Bettelnden, die Musizierenden, …viele wollen hier ihren Anteil des Geschäfts abbekommen.

Es waren heut tatsächlich auch viele, die sich mit mir auf den Weg weiter westwärts machten, aber irgendwie schaffte ich es wieder, die Zwischenräume zu nützen und war die meiste Zeit alleine auf dem Weg. Waldwege entlang von Flüssen und Hohlwege, dort geh ich am liebsten. Viele kleine Dörfer gibt es hier mit alten Steinhäusern und schönen Brücken.
‚Täglich Regen in Galicien‘, das galt voriges Jahr. Heuer ist es sehr trocken, staubig und am Nachmittag auch heiß. 35° zeigte heut eine Temperaturanzeige in der Sonne.
Geändert hat sich auch die Zusammensetzung der Pilgernden. Nachdem die Menschen von den verschiedensten Pilgerwegen nach Santiago kamen, kennt man sich nicht und knüpft wieder neu Kontakte. Oder man trifft, so wie ich heute, einen Pilgerfreund nach fast drei Wochen wieder. Da ist die Freude dann natürlich groß.

I did it – again!

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Es war ein guter Plan, die Herberge auf dem Monte do Gozo um 7.30 Uhr zu verlassen, um zum Sonnenaufgang in Santiago sein. Die Sonne versteckte sich zwar hinter Wolken, aber auf dem Platz vor der Kathedrale waren wir bei der Ankunft fast allein. Einige Stunden später sah es ganz anders aus. Unmengen von Pilgernden kommen während des Tages bei der Kathedrale an, treffen andere wieder, fotografieren sich .. Obwohl so manche sich humpelnd fortbewegen, herrscht hier eine ausgelassene und freudige Stimmung. ‚Ich habe es geschafft!‘

Eigentlich hatte ich ja nicht vorgehabt, mich wieder um die begehrte Compostela, die Pilgerurkunde, anzustellen, aber ein bekannter Pilger erzählte stolz, dass er sie schon geholt habe und die Wartezeit nur 30 Minuten betragen habe. Im Vorjahr hatte ich über zwei Stunden gewartet! Ich unterlag der Versuchung und stellte mich an – in einer Stunde war die Sache tatsächlich erledigt.
Dann war endlich Zeit fürs Frühstück, nächster Programmpunkt war die Pilgermesse um 12 Uhr, auch hier gab es eine Schlange von 20 Minuten Wartezeit. Die Messe war schön, die bekannte Nonne unterstützte mit ihrem hellem Gesang und der Höhepunkt: zum Schluss wurde der Botufumeiro, der riesige Weihrauchkessel, geschwungen! Ein spendabler Amerikaner hat uns dieses Vergnügen ermöglicht. Es ist so cool, wie der Kessel, von sechs Männern bewegt, bis zur Decke hoch und mit einer Höllengeschwindigkeit durch das Seitenschiff schwingt.
Am Nachmittag genoss ich noch das Treiben in der Stadt, bevor ich mich morgen auf den Weg nach Finisterre machen werde.

Ruhe

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‚Silencio – presencia‘ (still und präsent sein) stand heute auf einem der Wegpfeiler geschrieben, und das war auch mein Bedürfnis: den letzten ganzen Pilgertag in besonderer Aufmerksamkeit zu gehen. Das ist allerdings bei der Menschenmenge, die hier auf den letzten Kilometern unterwegs ist, nicht immer einfach. Wir nennen sie etwas boshaft die ‚turegrinos‘ (TouristInnen, die sich als Pilgernde – ‚Peregrinos‘ – fühlen, weil sie die letzten 100 km auf dem Jakobsweg unterwegs sind. Mit leichtem Schritt und kleinem Rucksäckchen, weil das Gepäck von einem Taxi zur nächsten Herberge gebracht wird. Das sind oft Menschen, die sich gut unterhalten und besonders lautstark reden oder Gruppen von Jugendlichen, die ihre Musik mittragen. All das macht es nicht einfach, zur Ruhe zu kommen.
Und doch ist es mir immer wieder gelungen, ganz bewusst die Schritte auf diesen herrlichen Wald- und uralten Pilgerwegen zu setzen und im langsamer Werden oder im schneller Gehen Abstand von den anderen Pilgernden zu halten.
Ganz bewusst wählten wir heute auch als Tagesziel die öffentliche Herberge von Monte do Gozo. Das ist ein riesiger Gebäudekomplex mit 30 Häusern und 4000 Betten, von denen allerdings nur ein Haus geöffnet ist. Über allem thront eine Skulptur, die an den Besuch von Papst Johannes Paul II hier in Santiago erinnert. Ein schönes Fotomotiv sind auch die beiden riesigen Pilgernden, die auf die Stadt Santiago hinunter schauen, wie Pilgernden seit Jahrhunderten und auch wir es heute taten
Die drei Türme der Kathedrale in der Ferne zu sehen, löst ein schönes und erheben des Gefühl der Vorfreude auf den morgigen Tag und auf die Ankunft aus.

Camino francés

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Jetzt bin ich also wieder auf dem altbewährten und bekannten Jakobsweg und in Arzua kaufte ich mir so wie im vorigen Jahr eine Portion frischer Churros mit dicker Schokolade zum Eintunken. Ein Festmahl, das den Energiebedarf des ganzen Tages abdeckt. Wie voriges Jahr wollte ich auch heuer wieder ‚bei Heidi‘ übernachten. Das ist die nette Herberge mit der ‚Wall of Wisdom‘, mit wunderschönem Garten und einer Besitzerin mit Verwandten in Weinsteig, die gerne den ganzen Abend lang Geschichten erzählt und ihre Gäste unterhält. Leider kam heute morgen eine Nachricht von Heidi, dass ihr gestern eine Pilgerin eine Bettwanze gebracht hätte und sie daher die Herberge sperren muss, bis der Kammerjäger da war. Die Pilgerin kam übrigens aus Sobrado, wo auch ich die letzte Nacht verbracht habe. So steuerte ich eine Alternativherberge an und es war eigenartig, dass auf diesem Weg, wo voriges Jahr unglaubliche Massen unterwegs waren, fast niemand zu sehen war. Angekommen räumte ich den kompletten Rucksack aus, machte Bettwanzenkontrolle und zugleich Inventur für die verbleibende Woche. Zwei Tage noch bis Santiago, dann vier bis Finisterre und zwei nach Muxia – so lange möchte ich noch unterwegs sein.
Aber die nächsten Tage dürften hart werden. Beim gestrigen Gewaltmarsch auf Asphalt und seiner heutigen Fortsetzung hab ich mir eine riesige Blase an der Fersenkante zugezogen – eine wohlbekannte Stelle, die auch schon letztes Jahr betroffen war. Überhaupt werden meine Füße zu Hause ein Komplettpflegeprogramm benötigen. Das haben sie sich allerdings dann auch verdient – nach fast 1000 Kilometern.

40 Kilometer

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Diese Distanz konnte ich heute von meinem Wegkonto abziehen, da ich an einer Weggabelung nicht den Originalweg, sondern eine Abkürzung von 10 km genommen habe. Ich bereute es spätestens, als es am frühen Nachmittag über 13 km lang auf einer ganz neuen Asphaltstraße dahin ging. Das war wirklich hart und sämtliche überstanden geglaubte Wehwehchen wurden wieder aktiviert.
Außerdem gab es auf dieser Wegvariante nur eine einzige Bar und sonst nix auf 32 km!
Heut war übrigens einer jener schrecklichen Morgen, an denen ich von den anderen viel zu früh geweckt werde und mangels sonstiger Alternativen im Dunkeln losmarschiere. Das war um 7.15 Uhr. Hell wird es hier in Spanien erst ca. um 8, aber da es oft nebelig ist, braucht es oft noch länger, bis ich die Richtungspfeile gut erkennen kann.

So manche hatten mich gewarnt, dass die Beschriftung des Weges oft sehr schlecht sei. Das hat sich jedoch geändert: offensichtlich gab es EU-Geld und in einer großen Investition wurden hunderte neue Monolithen aufgestellt, die bei jeder Weggabelung und oft auch zwischendurch die genaue Meterangabe bis Santiago anzeigen. Verlaufen geht zwar schlecht, aber manche schaffen es doch, indem sie irgendwelchen auf dem Boden aufgezeichneten Markierungen folgen.

Das heutige Tagesziel war Sobrado, wo es im Zisterzienserkloster aus dem 13. Jhdt eine Herberge gibt. Wunderschön und ein besonderer Kraftort ist die Kirche, die außen mit Moos und Bäumen bewachsen und in die der Efeu bei den Fenstern hineinwächst. Sehr schön sind auch die zwei Kreuzgänge und der Gebetsraum, in dem ich die Vesper mitfeierte. Besonders ist allerdings die Aufnahmeprozedur: jeweils 6 Personen werden beim Tor eingelassen, registriert und ihren Betten zugewiesen. Und an jeder Station wird vorher gewartet. Das dauerte also insgesamt eine Stunde, die ich, hundemüde wie ich war, lieber für eine Siesta genützt hätte.
Morgen geht es noch 20 km auf dem Camino del Norte, bevor er in Arzua in den mir wohlbekannten Camino francés einmündet.

Kreuze

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In Galicien lieben es die Menschen, Steinkreuze aufzustellen. Sie sind an Wegen und Kreuzungen, aber auch im Garten oder einfach am Zaun angebracht. Kreuze sind hier nicht nur religiöse Symbole, sondern dienen auch der Abwehr des Bösen.
Großartig sind auch die Grabdenkmäler auf den Friedhöfen: Jede Familie hat ein eigenes Granitmonument mit verschiedenen Grabkammern, in die die Toten gelegt werden und die dann zugemauert und beschriftet werden. In den kleinsten, fast verlassenen Dörfern gibt es wunderschöne Friedhöfe.

Der gestrige Abend in der Herberge war noch sehr speziell: Bei dem ausgezeichneten Abendessen hat mich ein Belgier, der den Camino (gottseidank) verkehrt geht, eine Stunde lang bequatscht und mir Dinge erzählt, die ich so gar nicht wissen wollte. Danach gab es noch Schnäpse zu verkosten, was die Männer auch reichlich getan haben. Ein Spanier griff zur Gitarre, es dauerte aber 40 Minuten, bis wir es schafften, ein Lied (‚Halleluja‘) gemeinsam zu singen. Jeder sang einfach immer drauf los, ohne auf die anderen oder auf die Gitarre zu horchen. Es war schrecklich! Ich bekam den Eindruck, dass hier nur Individualisten unterwegs sind, die es gewohnt sind, ihr Ding zu machen, aber nicht auf andere Rücksicht zu nehmen. So traf ich dann eine Gtundsatzentscheidung: Heute bin ich genau für vier Wochen unterwegs und eigentlich habe ich es satt, täglich mit neuen Menschen ‚Smalltalk‘ zu machen oder mich niederquatschen zu lassen. So hab ich mich mit Frank zusammengetan. Wir verstehen uns gut und wollen den Weg jetzt gemeinsam so gehen, dass Frank plangemäß in Finisterre ist. Dort werden wir uns auch mit zwei Leuten aus Deutschland verabredet haben. Das bedeutete heute 34 km zu laufen, damit wir morgen die 32 km – Etappe, in der es keine Unterkunftsmöglichkeiten gibt, schaffen. Wir haben es dank guter Zeiteinteilung bestens geschafft und den 100 km Stein erreicht! Und wenn alles nach Plan geht, werden wir Freitag in Santiago sein.