Freundlicher Empfang

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Ich hab mich gestern sehr willkommen gefühlt in Vilanova de Lourenza, als ich beim Hineingehen diese Schrift auf der Hauswand sah. Und der Ort hat auch eine sehr schöne Kirche, die aber leider wieder geschlossen war. Doch sonst hatte ich in den letzten Tagen Glück: zumindest einmal am Tag gab es Gelegenheit, mich in eine Kirche zu setzen und für eine kurze Zeit innezuhalten. Gestern war das abends bei der Messe in der Kathedrale von Mondoñedo. Es waren nicht viele, die die Sonntagvorabendmesse besuchten, drei Priester waren anwesend, einer äußerst gebrechlich im Rollstuhl und zwei auch sehr alt, aber mit kräftiger Stimme. Ich wurde gefragt, ob ich die Lesung lesen möchte, aber da wäre mein Spanisch an seine Grenzen gekommen.
Dass dieser kleine und sehr schöne Ort eine so riesige romanisch-gotische Kathedrale hat, das heißt, Bischofssitz ist, weist auf seine frühere Bedeutung hin. Jetzt ist das Städtchen klein und überschaubar, aber mit einem sehr gepflegten Stadtbild.
Überhaupt ist es eine sehr verlassene Gegend, durch die der Weg im Moment führt, 15 km weit gibt es nur winzige und fast menschenleere Dörfer, keine Geschäfte, mit Glück eine winzige Bar, wo es einen Mittagssnack zu kaufen gibt. Für das Abendessen ist heute dafür bestens gesorgt: ich bin in einer sehr netten Herberge, wo für uns gekocht wird. Und es gibt hier einen netten Garten inklusive Swimmingpool. Nicht das Schlechteste beim Pilgern. 🙂

Galicien

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Jetzt also Galicien. Diese Provinz liegt ganz im Nordwesten Spaniens. Es regnet hier sehr viel, deshalb ist dieses Gebiet besonders grün und fruchtbar.
Galicien, das sind extrem hohe Maisfelder und natürlich die dazugehörigen Horréos, kleiner und länglicher als in Asturien. Galicien, das sind aber auch die Kohlpflanzen, die uns ausgewachsen erscheinen. Das sind ‚Bohnengärten‘: Bohnen, die ähnlich wie unsere Weinreben in Zeilen gesetzt werden. Und das sind riesige Eukalyptuswälder, die beim Durchgehen einen besonderen Duft verströmen.
Das Land ist sehr bergig, es gibt viele kleine Dörfer mit Viehwirtschaft. Und in den Senken hält sich der Nebel oft den ganzen Vormittag, was eine sehr besondere Stimmung macht.
Durch dieses Galicien bin ich heute den ersten Tag gepilgert: 29,84 km weit bis Mondoñedo, mit Anstiegen von insgesamt 959 m und Abstiegen von 896 m.

Unter 200

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Bevor wir heute die Nordküste verlassen und ins Landesinnere einbiegen würden, wollten wir gestern noch ‚Sidra‘ trinken, jenen Apfelmost, den schon die Ägypter kannten und der auch bei uns immer mehr in Mode kommt. In Spanien wird er im Stehen und auf besondere Weise eingeschenkt: die Flasche wird über dem Kopf gehalten, das Glas ganz weit unten, damit möglichst viel Sauerstoff zum Getränk dazukommt. Wir kamen leider nicht in den Genuss, das zu sehen, sondern durften unseren Cidra selbst mit einer eigenen Maschine einschenken. Das erste Glas schmeckte etwas ranzig, aber beim Zweiten gewöhnte ich mich schon dran.
Es lag nicht Meeresbrausen und nicht am Cidra, dass diese Nacht für mich sehr unruhig war: Unten im Stockbett liegend hatte ich das Gefühl, dass die Person oben sich andauernd herumrollt und das ganze Bett zum Wackeln bringt. Dadurch wurde ich immer wieder aufgeweckt und wach gehalten. Das ging bis zum Aufstehen. Als ich zusammen packte, schnarrchte dann oben einer und als ich genauer schaute, lag im selben Bett auch noch eine Frau! Das erklärte natürlich so einiges. Wenn sie allerdings heut wieder in der Herberge auftauchen sollten, geb ich ihnen 20 € für ein Zimmer in einer Pension!
Ein Stück gings heut noch dem Meer entlang, an der letzten Bucht machte ich eine lange Pause und einen Strandspaziergang.
Dann wandte sich der Weg landeinwärts und mit der Überquerung der 700 m langen Brücke an der Mündung des Flusses Eo erreichte ich Ribadeo und somit Galicien. Hier ist auf den Steinen, die den Weg weisen, die Kilometeranzahl bis Santiago drauf und die Muscheln zeigen in die entgegengesetzte Richtung. Man sagt, sie symbolisieren die Hand, die nach Santiago weist. Das ist etwas verwirrend. Gut, dass die Steine auch immer auch einen Pfeil tragen, an dem ich mich orientieren kann. Die Kilometerangabe variiert, offiziell sind es jetzt noch 182 km bis zum Ziel.

Hunger

Als ich heute aufwachte, fragte ich mich, warum um kurz nach 6 jemand dusche und warum ich das so laut höre. Des Rätsels Lösung war der starke Regen, der eingesetzt hatte und mal leichter, mal wieder mehr, bis kurz nach Mittag andauerte. Heute war ich froh über jeden streifen Asphalt auf dem Weg, der die Nässe etwas von dem Schuhen abhielt. Jeder Tag verlangt nicht nur eine Planung der Tagesetappe, sondern auch der Verpflegung. Es gibt oft über 10 km keine Bar, um etwas zu essen. Manchmal ist es auch so, dass mir die erste Möglichkeit, die ich sehe, nicht zusagt, und schon ist der Ort vorbei und die Chance auf Kaloriennachschub verpasst. Nach schlechten Erfahrungen mit vegetarischen Speisen haben wir uns in den letzten Tagen zu viert zusammengetan und uns abends in der Mikrowelle aus verschiedenem Gemüse einen Eintopf gewärmt.
Es ist aber nicht nur der körperliche Hunger, der auf dem Weg manchmal schlecht gestillt wird. Im Gegensatz zum Camino francés bekomme ich hier auch wenig Nahrung für den geistigen Hunger. Keine spirituellen Orte, die Kirchen sind geschlossen und oft führt der Weg nicht einmal daran vorbei, ich bete, meditiere und singe auf dem Weg, aber ich spüre kaum die Energie des Weges, die ich voriges Jahr als so kräftig erlebt habe. Gerade als mir das gestern bewusst wurde, waren die nächsten drei Personen, die ich auf dem Weg traf, angehende Priester aus Cordoba. Ich sprach mit ihnen über mein Problem, hatte aber den Eindruck, dass sie nicht wirklich verstanden, was mir fehlte. Aber sie freuen sich jetzt jedes Mal sehr, wenn sie mich wiedersehen.
Kraftquelle auf dem Weg ist für mich das Meer. Heut bin ich wieder nur 20 km gepilgert und das Ziel des Weges war die Herberge von Tapia, die direkt an der Steilküste des Meeres liegt, mit Liegestühlen mit gewaltiger Aussicht. ‚Schlafen zwischen den Wellen‘ ist das Motto dieses Hauses und ich freu mich drauf, morgen nicht von Autolärm, sondern von der Meeresbrandung geweckt zu werden.

Immer nach Westen

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Bevor ich mich heute morgen auf den Weg machte, ging ich in eine Bar, um zu frühstücken, denn der nächste Ort war erst für 12 km später angekündigt. Es war eine Überraschung, den offensichtlich einzigen Österreicher, der zur Zeit mit mir auf dem Weg ist, hier zu treffen. Es war mir schon von ihm erzählt worden, er ist Oberösterreicher und seit Bilbao auf dem Camino, geht aber mehr Kilometer täglich, sodass unser Treffen wahrscheinlich einmalig war.
Von Luarca ging es heut steil den Berg hinauf und dann entspannte ca. 20 km bis zu einer sehr schönen und neuen Herberge in Navia. Auch diese Stadt liegt am Meer, mit dem Badewetter ist es aber definitiv vorbei. Fürs Wellenschauen und einen Strandspaziergang ists aber optimal.
Von Ost nach West bin ich auf dem Camino del Norte unterwegs. Es ist nicht nur dieser Weg, der die Nordküste entlang führt, sondern es gibt auch eine Autobahn, die wir immer wieder unter oder überqueren. Die Geräuschkulisse auf dem Weg wechselt zwischen Autolärm und Meereswellengetöse.
Ja, und dann gibt es noch die Eisenbahn, den Feve. Dieser doppelte Triebwagen fährt zweimal am Tag die Strecke von Bilbao bis Ferrol ab und bleibt in jedem kleinen Dorf stehen. Es gibt nur ein einziges Gleis und dieses ist besonders schmal gebaut, damit der Zug die Kurven besser fahren kann. Vor einigen Tagen wollte ich diesen Feve für mein Patenkind filmen und war pünktlich zum Eintreffen des Zuges an der Station in Ballota. Wie war ich überrascht, als ein schweizer Jakobspilger-Ehepaar, das ich einige Tage vorher kennengelernt hatte, aus dem Zug ausstieg! Ihnen war es natürlich total peinlich, dass ich sie ‚erwischt‘ hatte, sie versuchten, sich zu rechtfertigen und jedes Mal, wenn wir uns jetzt sehen, lachen wir über die überraschten Gesichter, die wir alle drei gemacht hatten.

Mehr Meer

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Nach einer Nacht im Einzelzimmer ist das steile Bergab und Bergauf gar nicht so schlimm. Es boten sich vor allem auch wieder wunderschöne Blicke aufs Meer. Diese Urgewalt, die Steine verschiebt und zu Bergen auftürmt beeindruckt mich immer wieder aufs Neue.

Entspannte 22 km bin ich heut nur gegangen und das vor allem auf Waldwegen und durch kleine Dörfer.
Nicht nur der Horréo gehört in Asturien zu jedem Bauernhof, sondern auch der Hund. Er ist angekettet und liegt entspannt vor seiner Hundehütte oder hat Spaß daran, wie wild zu bellen und Pilgerinnen zu erschrecken. Es gibt meist auch viele Katzen, etliche davon wie Siamkatzen mit blauen Augen.
Und oft sind da auch alte Bauern, die das Gras mähen, es wenden oder sich sonst irgendwie nützlich machen. Wenn ich sie sehe, denke ich immer liebevoll an meinen Vater, der bis zum Schluss immer gern draußen war und sich Arbeit gefunden hat. Dass er vor drei Monaten gestorben ist, war einfach zu plötzlich für mich.
Meine Gedanken waren während des Tages auch besonders bei meiner Mutter, die heute Geburtstag hat und die im Alter von 87 und nach 65 Jahren Ehe jetzt lernen muss, alleine zu leben. ‚Mein schönste Geburtstag‘, meinte sie gestern sarkastisch.
Mein Tagesziel war Luarca, eine schöne Hafenstadt an der Mündung des Rio Negro. Sieben Brücken überspannen den Fluss und auch hier drängeln sich die Häuser den Berg hinauf. Wilde Wellen überschlagen sich am vorgebauten Wall. Fürs Baden ist das Wasser eindeutig zu kalt und zu stürmisch. Man spürt, dass der Sommer dem Ende zugeht.

Auf Straßen

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Den heutigen Morgen startete ich mit einem – freiwilligen – Umweg: das Dorf Curdillero wird als einer der schönsten Hafenorte Asturiens bezeichnet, der Hafen ist eingezwängt zwischen den Bergen, die bunten Häuser drängen sich die Hänge hinauf. Leider führte dieser Weg aber auf verschiedensten kleinen und vor allem größeren Straßen, an denen die Autos in einem Höllentempo vorbeirauschen. Als ein Klein-Lkw kam, der zusätzlich von einem Motorrad überholt wurde, überkam mich kurz Panik.
Später musste ich mich wieder entscheiden: Berg- oder Küstenweg? Natürlich nahm ich den Küstenweg, dass dieser ein anstrengender Berg- und Talweg ist, wurde mir erst später bewusst. An jedem Taleinschnitt musste ich ganz hinunter, einen Fluss überqueren und wieder hinauf. Nach zwei Einschnitten wurde es mir zu mühsam und ich nahm für die nächsten zwei stattdessen die Straße, die um diese Taleinschnitte herumführt, was allerdings doppelt so weit ist. Gut, dass ich jetzt im Quartier bin und die restlichen Taleinschnitte erst morgen bewältigen muss, ob auf der Straße oder Waldwegen, muss ich erst entscheiden.

Schon auf meinem vorigen Jakobsweg habe ich euch die Horreos vorgestellt. Das sind auf Säulen aufgestellte Maisspeicher, die verhindern, dass Mäuse hinaufklettern. Während diese Horreos in Galicien länglich sind, sind die asturischen Maisspeicher quadratisch und oft so groß, dass manche davon sogar zu Wohnräumen umgebaut wurden. Fast jeder Bauernhof hier hat so einen Maisspeicher neben dem Haus, aber die wenigsten erfüllen noch den ursprünglichen Zweck. Manchmal sind sie einfach Lagerraum, manchmal sind sie sehr gepflegt und werden auch vermietet.

 

Unvorhergesehenes

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Avilés, diese Industriestadt, deren Vorstädte mir so abgewohnt erschienen, hat mich abends noch mit einer sehr schönen Altstadt überrascht. Sie steht unter Denkmalschutz und vor allem die Häuser, die auf Säulen über dem Gehsteig aufgebaut sind, gefielen mir gut. Auch schöne und riesige Parkanlagen gibt es hier, auf den Straßen und Plätzen aber nur wenig grün.
Die große Herberge war fast voll, aber die einzigen, die ich gekannt hatte, waren der rumänische orthodoxe Priester mit seinem Sohn und seinem Freund. Offenbar sind sehr viele neu in Gijon gestartet. Und das Wettrennen um die Betten wird weiter gehen.
Heut war ein Tag der Überraschungen: zweimal hab ich unabsichtlich eine Abkürzung, dafür später vollkommen bewusst den längeren Küstenweg, den es offiziell nicht mehr gibt, genommen. Das Pech dabei war, dass es auch die einzige Herberge dort nicht mehr gibt und ich neun ungeplante Kilometer mehr hatte. Aber der Weg bot nach 316 Stufen wunderbare Ausblicke und zweimal gönnte ich meinen Füßen die Abkühlung im Meer. Auch die private Albuerge, in der ich schlussendlich gelandet bin, ist vom Feinsten: Vierbettzimmer mit allem Drum und Dran um 13 €.
Übrigens: Der Horror aller Pilgernden und Herbergsbetreiber auf dem Weg sind Bettwanzen. Sie nisten sich in den Räumen ein, sind nachtaktiv und werden in den Rucksäcken weiter transportiert. Zwei deutsche Mädels erzählten mir, dass sie Herberge gewechselt hätten, weil unter der Matratze Wanzen gekrabbelt sind. Und die Litauerin Rasa war, als ich sie nach einigen Tagen wieder gesehen habe, vollkommen zerbissen. In der Herberge wurde dann alles gewaschen und desinfiziert. Auch mich hat neben unzähligen Gelsen in einer Nacht eine Bettwanze erwischt. Das erkennt man an den aneinandergereihten Bissen. Da aber in der Folge keine neuen Bisse dazu kamen, dürfte die Wanze dort geblieben sein, wo sie mich getroffen hat. Seitdem bin ich aber mit meinem Gepäck sehr vorsichtig: der Schlafsack wird jeden Morgen und Abend von innen nach außen gedreht. Die Wäsche ist in einem verschlossenen Sack und auch den Rucksack mache ich über Nacht immer zu, damit nichts hinein krabbelt und ich auf den letzten 300 km keine blinden Passagiere mittrage.

Gijon

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Wie in jeder Großstadt, durch die ich bis jetzt gekommen bin, war auch in Gijon gestern Fiesta. Mich störte es nicht, da ich in der Albuerge in einem Vorort eingecheckt hatte – ausnahmsweise in einem zu 100 % deutschsprachigen Zimmer. Andere erzählten, dass bis halb 6 morgens im Zentrum gefeiert wurde. Als ich um 8 los startete, waren die Reinigungsmaschinen unterwegs und die Stadt zeigte sich in einem wunderbaren Licht.
Wieder musste heute ein Berg bezwungen werden, das Schlimmere war jedoch der Nachmittag: unzählige Kilometer auf dem Gehstreifen einer Bundesstraße, balancierend zwischen übergroßem Unkraut und Brennnessel auf der einen Seite und vorbei rauschenden Autos und LKWs auf der anderen. Die Sonne meinte es zu gut und der Lärm der angrenzenden Autobahn und des Industriegelände war fast unerträglich. Und je näher ich der Stadt Avilés kam, desto abgewohnter und ungepflegter wirkte sie. Nicht einmal am Spielplatz wird der Rasen gepflegt. Aber die Herberge hier ist groß und ich bekam ein Bett – das Wichtigste für den Tagesabschluss.

Die Nordküste Spaniens ist offensichtlich ein sehr beliebtes Urlaubsziel, besonders auch für Campingfans. Und das dürften viele Spanier sein. Es gibt hier nicht nur sehr viele Campingplätze, sondern auch Parkplätze oder schöne Aussichtspunkte werden zum Campieren benützt. Überall sieht man Wohnmobile, Wohnwägen und umgebaute Autos jeder Art, wie zB. VW-Busse. Es tut mit noch immer leid, dass ich kein Foto des großen roten Feuerwehrautos mit der Aufschrift EINSATZLEITUNG gemacht habe, das ein spanisches Pärchen offensichtlich aus Deutschland gekauft und zum mobilen Heim umgebaut hat.
Dieses Wochenende geht die Urlaubszeit zu Ende, vielleicht wird es dann ja ein bisschen ruhiger hier.

Muschelzeichen

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Das Muschelzeichen ist auch Wegweiser für den Weg. Hier in Asturien, wo ich seit sechs Tagen unterwegs bin, ist die Kennzeichnung sehr einheitlich. Der Weg geht immer dorthin, wo das Zentrum der Muschel hinzeigt. Die Strahlen symbolisieren die verschiedenen Wege, die alle nach Santiago führen. Manchmal wird dies auch noch mit einem zusätzlichen Pfeil erklärt, aber grundsätzlich findet man sich hier damit gut zurecht.
Auf verschiedenen Wegen sind die Menschen heut unterwegs, die gestern noch an einem Tisch saßen und von Sergio bekocht wurden: für viele ist heute in Gijon das Ende ihrer Etappe erreicht und sie machen sich auf den Heimweg. Andere gehen wie ich den Küstenweg weiter und sind heute in Gijon. Und manche gehen den Camino primitivo, den ‚ursprünglichen Weg‘, der Richtung Oviedo und dann direkt nach Santiago führt.
Bis Gijon musste ich heut über zwei Hügel, beim Weg auf den ersten hatte ich auf 2.4 km Länge 335 Höhenmeter zu bezwingen, was schon ziemlich viel ist. Danach gings jeweils gleich wieder ins Tal und weiter bis Gijon, wo mich die gigantische Universität beeindruckte.
Asturien ist übrigens die Provinz, von der die Rückeroberung Spaniens und das Zurückdrängen der Mauren ihren Ausgang nahmen. Der Legende nach wurde in dieser Zeit auch das Grab des Hl. Jakobus gefunden, und dieser Heilige deswegen zum Schutzpatron der Reconquista gemacht.