5.⁠ ⁠Mai: Foncebadon – Ponferrada

Doppel-Gängerin

Wirklich eng war es gestern im Schlafraum, mit all den Rucksäcken! Noch dazu war mein Bett in der hintersten Ecke, sodass ich in der verbrauchten Luft zu ersticken fürchtete. Es war dann gar nicht so schlimm, ich hab sogar relativ gut geschlafen. Der nette Hospitalero hatte einen Nudel-Kichererbsen-Eintopf gemacht, der richtig gut wärmte und um 21 Uhr lag ich schon im Bett. Draußen war es sehr kalt und es regnete.

Ich hatte ja vorgehabt, heute sehr früh aufzubrechen, um oben am Cruz de Ferro den Sonnenaufgang zu sehen. Dafür musste ich um 6.45 weggehen, was ich auch sehr gut schaffte. Aber draußen dann die Enttäuschung: es war eiskalt, total nebelig und es ging ein heftiger Sturm. Nach den zwei Kilometern bis zum Kreuz war ich vollkommen durchgefroren. Ein Pilger meinte, es hätte nur 1 Grad gehabt. Zumindest plus. Trotz Wind, Nebel und Kälte war ich nicht die einzige oben beim Kreuz. Hierher bringen die Pilgernden seit 1000 Jahren einen Stein mit und legen ihn als Symbol für ihre Lasten beim Kreuz ab. ‚Only stones‘ hatte ich gelesen, daran halten sich leider nicht alle. Zwischen den Steinen sah ich etliche Fotos und viele andere Dinge, Schuhe, Pilgerbücher, ja sogar ein Handy lag da! Müll, der von Zeit zu Zeit von Ehrenamtlichen entsorgt werden muss.
Ich umrundete den Hügel dreimal in Stille und dachte dabei an viele liebe Menschen, die es im Moment schwer haben. Möge auch ihnen ein Stück ihrer Last genommen werden!

Dieses Kreuz steht mit 1.517 m am höchsten Punkt des gesamten Pilgerweges, danach ging es stetig bergab auf 500 m, teilweise über sehr steinige Wege. Die Etappen des gestrigen und heutigen Tages bin ich letztes Jahr auch schon gegangen, bevor ich auf den Winterweg wechselte. So wusste ich heute genau, wo ich Pause machen und was ich dort essen wollte. Welche Enttäuschung, dass die Churrería in Mollinaseca geschlossen hatte! So musste ich mit der kalten Pizzahälfte von gestern vorlieb nehmen.
Gelandet bin ich heute wieder in der ‚gigantischen kirchlichen Herberge‘ (144 Betten) in Ponferrada, wo ich letzten September die Feier zum 20Jahr-Jubiläum der Herberge miterleben durfte.

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