Paradiesgarten

Noch einmal zu Ponferrada: die Stadt wird von der großen Templerburg beherrscht. Dieser Ritterorden kümmerte sich und beschützte die Pilgernden. 1307 wurde er verboten, aber die Gerüchte um diese sagenumwobene geheime Bruderschaft bestehen noch immer.



Der 1000 m-Abstieg gestern hat mich nicht nur von den Bergen von Leon in die Landschaft Bierzo katapultiert, sondern auch in eine vollkommen andere Klimazone: plötzlich ist es angenehm warm, überall blühen die Rosen und verströmen ihren Duft, auch Pfingstrosen, Lilien, Hortensien und viele Blumen, deren Namen ich nicht kenne. Die Feigenbäume haben schon riesige Früchte, die nur mehr etwas Farbe brauchen, und einige rote Kirschen habe ich von den Bäumen genascht.
In früheren Zeiten musste sich dieser Landstrich für die Pilgernden, die von den kalten und windigen Bergen herunter kamen, als Paradies angefühlt haben. Ein bisschen war es das auch für mich.




Die Landschaft ist unglaublich grün. Der Bierzo ist auch bekannt für seinen guten Wein, in Niederkultur wachsen überall aus alten, dicken Stämmen zarte Weinranken. Die Weinbauern fahren mit kleinen Traktoren oder gehen mit der ‚Spritzbutte‘ durch. Diesen Geruch nach Spritzmittel kenne ich noch aus meiner Kindheit. Auch eine ältere Weinpresse war ausgestellt.



Heute bin ich in Villafranca del Bierzo, auf deutsch das ‚Dorf der Franken‘ im Bierzo. Im Mittelalter, als die Mauren besiegt und aus Spanien vertrieben wurden, wurden in ihren Häusern Menschen aus Mitteleuropa angesiedelt, auf diese bezieht sich der Ortsname.


In Villafranca an der Santiago-Kirche befindet sich die Puerta del Perdon, das Tor der Vergebung. Im Mittelalter erhielten Pilgernde, die es bis hierher aber aus Krankheitsgründen nicht weiter schafften, trotzdem ihren vollkommenen Ablass, für den sie unterwegs waren.