9.⁠ ⁠Mai: A Balsa – Belorado

Gestern hatte ich tatsächlich die ganze Herberge für mich allein. Jessica kochte ein ausgezeichnetes Menü für mich und gab mir auch gleich die Rezepte für veganen Kuchen und Mayonnaise mit. Und sie erzählte mir die Geschichte ihrer Liebe und ihrer Herberge. Wie sie, Italienerin, und ihr Mann, Holländer, sich am letzten Tag ihrer je eigenen Caminos kennenlernten, einige Monate später trafen und die Idee zu diesem Projekt hatten. Ein Jahr später kauften sie das Haus, damals eine Ruine, was man noch im angrenzenden Teil sehen kann. Ohne Geld, aber mit viel Begeisterung und Zukunftsträumen vom Leben in unberührter Natur. Crowdfunding und die Renovierung in Eigenregie ermöglichten das Projekt, von dem sie jetzt sagt, dass es eigentlich verrückt war. Dazu noch die engstirnige gallicische Einstellung mancher Menschen! Das Leben ist nicht immer so einfach, wie man es sich mit 25 vorstellt. Vor allem, wenn man auch für ein Kind verantwortlich ist und wirtschaftlich überleben muss.

Auch wenn ich die einzige Pilgern in der Herberge war, so war es doch ein sehr netter Abend. Ich steuere gerne Herbergen mit gemeinsamem Abendessen an, da ich so andere Pilgernde kennenlerne und mir nichts zu essen organisieren brauche. Einige Male war ich auch in Municipales, also öffentlichen Herbergen, wo man auf jeden Fall einen Platz findet. Da gibt es immer eine Küche, in der die Pilgernden kochen können. Wenn das aber viele machen, ist mir das zu laut und zu viel Durcheinander. Es sind da etliche Gruppen, die sich zusammengetan haben. Nachdem ich aber erst sehr spät auf diesem Weg gestartet bin und immer und auch gern alleine gehe, gehöre ich keiner Gruppe an und ich beobachte dann lieber, wer denn so auf dem Weg ist.
Es ist hier im Moment eine bunte Mischung aus alt und jung (20-30 Jahre), und aus sehr vielen Ländern der Erde. Nicht so wie im Herbst, als die Übersee-Menschen so stark dominiert haben, dass ich mich nicht mehr wohl fühlte.
Es gibt natürlich Pilgernde, die ich öfter wieder treffe, oder nach längerer Zeit. Wie zum Beispiel heute den französischen Onkel mit seiner Nichte, mit denen ich schon in Rabanal nett in spanisch-französischen Kauderwelsch geplaudert habe. Wir drei sind die einzigen in der Herberge, kurz nach der Stadt Sarria. Dort starten meist sehr viele neue Pilgernde, um sich nach 100 km dann in Santiago die Compostela abzuholen. Denn diese ist in Spanien oft Bedingung bei Bewerbungen, etc.

In Sarria war heute großes Fest mit Jahrmarkt, Traktorenschau und Folkloreumzug

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