Muscheln

Von den Pilgermassen, die angeblich auf den letzten 100 km unterwegs sind, merkte ich heute nichts. Ich bin gut antizyklisch unterwegs, gehe durch die Pilgerstädte durch und suche mir erst einige Zeit später ein Quartier. Die Stadt war heute Portomarin. Aufgrund eines Staudammes wurde sie geflutet und am Hügel oben wieder aufgebaut wurde. Stein für Stein. So auch die Kirche. Ich wäre gern hineingegangen, aber leider war sie geschlossen. Gut, dass zumindest das Café offen hatte, in dem ich einer Kaffeepause genoss, während es draußen wieder einmal schüttete. Wie gern würde ich euch diese dauernden Regenwolken ins Weinviertel schicken!



Wie gestern gestaltete sich auch heute die Quartiersuche etwas schwierig. Einige Herbergen sind einfach ohne Vorwarnung geschlossen. Heute musste ich noch 5 km weiter gehen, insgesamt waren es über 30. Aber meist unterwegs bergauf und bergab auf schönen Waldwegen und beeindruckt von den Baumriesen und von deren Resilienz. Auf einen Kastanienbaum ist ein Dach gebaut. Trotzdem treibt er wieder aus!




Den 100 km-Stein hab ich heut auch passiert, ich war dabei anscheinend so überwältigt, dass ich die falschen Stöcke genommen und weiter getragen habe. Da hab ich ein ziemliches Durcheinander ausgelöst! Aber das Geschrei hat mich aufmerksam gemacht und ich hab die falschen Stöcke zurückgebracht. Sie waren sowieso viel zu lang!

‚Deine Muschel hat drei Kinder!‘, sagte voriges Jahr einmal eine Pilgerfreundin, mit der ich das Zimmer geteilt habe, zu mir. Das war mir selbst noch gar nicht aufgefallen. Muscheln sind ja das Symbol der Jakobspilgernden. Ich habe diese bei unserer Busreise 2011 gekauft und trage sie auf allen meinen Pilgerwegen mit. Die Muschel mit den drei Kindern und meine eigenen drei Kinder im Herzen.
Es ist dies heut das erste Mal, dass ich am Muttertag nicht mit der Familie zusammen bin. Das macht mich ein bisschen traurig. Aber in der Muschel ist meine Familie mit mir unterwegs.
