13.Mai: Tabernavella – Monte do Gozo

Es grünt

Den schönen Garten bei Heidis Albuerge konnten wir gestern nicht nützen, es hat den ganzen Nachmittag und Abend geregnet. ‚In Gallicien wird jedes Kind mit einem Regenschirm geboren‘, las ich in einem kleinen Büchlein mit Jakobsweg-Geschichten. Und tatsächlich habe ich in den letzten Tagen viele Menschen mit – zugeklappten- Regenschirmen gesehen. Sie lieben ihre Schirme und wenn sie kaputt werden, werden sie hier angeblich auch repariert und geflickt. Jetzt hab ich tatsächlich ein schlechtes Gewissen, meinen Schirm wegzuwerfen…
Um Heidis Tisch saßen wir gestern zu acht, und bis auf zwei Texaner, die aber mit ihrer deutschen Nichte unterwegs waren, sprachen alle deutsch. Heidi umsorgte uns mit gutem Essen und vor allem mit launigen Geschichten aus ihrem Leben. So erzählte sie von ihrem Hahn, den sie nach dem spanischen König ‚Juan Carlos El Primero‘ nannte, und vor dem sogar der Briefträger eine Verbeugung machte, um sich nicht den Unmut des Tieres zuzuziehen. Die letzten drei Wochen verbrachte der Hahn krank auf Heidis Couch, in der Nacht in ihrem Arm schnarchend.
Ein anderes Mal löste die äußerst tierliebende Heidi einen Polizeieinsatz in einem Dorf am Camino aus, weil einige Hunde dort an der Kette gehalten wurden und das in Galicien nicht mehr erlaubt ist, aber auch von der Polizei als ’normal‘ bezeichnet wird. Ziemlicher Tumult inklusive..
Heidi liebt es, ihre Gäste mit solchen Geschichten zu unterhalten und die Gäste haben einen unvergesslichen Abend auf dem Camino und kommen gern wieder.

Heute also der letzte richtiger Pilgertag. Vier Kilometer sind es morgen nur mehr. Es hat mich richtig weitergezogen durch dieses wunderschönen Wälder. So viele Vogelstimmen hörte ich, unglaublich wie laut diese kleinen Tiere zwitschern können!

Und es duftete oft so gut nach den Eukalyptus-Bäumen. Die sind aber eigentlich eine Plage. Sie wurden aus Australien eingeführt und werden für die Papier- und Zellstoff-Produktion verwendet. Mit ihren Pfahlwurzeln saugen sie aus tiefer Erde das Grundwasser auf, angeblich bis zu 500 Liter pro Baum pro Tag! Das ist natürlich ein Problem für die anderen Bäume. Auch bei Waldbränden sind diese Bäume exzellenter Zündstoff. So gibt es jetzt ein Gesetz, dass kein Eukalyptus mehr gesetzt werden darf.

Ich bin in Monte do Gozo, am Berg der Freude, in einer riesigen Herberge aus den Zeiten des Papstbesuches. Der Großteil der Gebäude ist geschlossen und wird gerade renoviert.
Hier kann man das erste Mal die Stadt Santiago und die Türme der Kathedrale erblicken, jetzt bin ich dem Ziel ganz nahe.

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