Gottesdienste

Mein Einsatz in Santiago neigt sich dem Ende zu, die Tage sind sehr voll, sodass ich wenig Zeit zum Schreiben habe. Ich möchte euch heute über ein wichtiges Element unseres Dienstes erzählen: über den täglichen Gottesdienst in deutscher Sprache. Es wurde uns heuer, nach einigen Problemen in den letzten Jahren, eine neue Kirche zugewiesen: San Fructuoso, direkt am Weg vom Kathedralsplatz zum Pilgerbüro, also sehr zentral gelegen und tagsüber immer offen. Es ist ein sehr schöner Ort zum Feiern.

Diese Gottesdienste sind meist von 10-20 Personen besucht, täglich bildet sich eine neue Feiergemeinde, zusammengewürfelt aus Pilgernden, die aus allen Richtungen hierher gekommen sind. Bevor wir beginnen laden wir alle ein, sich kurz vorzustellen. Das und wahrscheinlich auch die Sprache und die bekannten deutschsprachigen Lieder schaffen gleich soviel Verbindung zwischen den Menschen!
Der Wortgottesdienst ist sehr einfach gehalten, nur mit Evangelium und kurzer, sehr ansprechender Predigt unseres Pfarrers. Das ist auch für mich ein täglicher Impuls für den Tag, sodass ich die Zeit hier auch als Exerzitien bezeichnen könnte. Täglich mache ich dazu auch eine kleine Zeichnung ..

Für die Eucharistiefeier versammeln wir uns um den Altar. Wir laden dann ein, Gebet, Bitte und Dank mit Weihrauch auf die heiße Kohle zu legen. Das ist immer ein sehr berührender Moment, wo oft Tränen fließen. Kommunion gibt’s für alle, die das wollen, in Brot und Wein und zum Schluss noch ein Segenslied mit Hand auf der Schulter des/der Nachbarin. Im Anschluss laden wir noch zu Kaffee und Tee ein.

Wie anders ist die Pilgermesse in der Kathedrale! Es wird nur Spanisch gesprochen, es gibt eine Vorsängerin, aber es wird nichts gemeinsam gesungen und das für viele einzig interessante und der Höhepunkt ist es, wenn zum Schluss der Botafumeiro geschwungen wird. Das ist das riesige Weihrauchfass, so schwer und groß wie ich, das von 8 Männern in luftige Höhen geschwungen wird. Heute ist es ein Spektakel, früher diente der Weihrauch zur Desinfektion und Beseitigung unangenehmer Gerüche in der Kathedrale. Die Pilgernden durften ja drinnen auf den Ballustraden oben übernachten und hatten keine täglicher Dusche.

Obwohl viele nichts verstehen und manche während der Messe vor Müdigkeit einschlafen, ist die Pilgermesse immer total voll und es sitzen überall die Menschen auf dem Boden. Bei der Mittagsmesse werden wir immer gebeten, die Kollekte zu machen. Da sehe ich die bunte Schar aus der ganzen Welt. Und da wir immer in der ersten Reihe sitzen, kann ich auch beobachten, dass viele zur Kommunion gehen, aber nicht wissen, was sie jetzt mit diesem Stück ‚Oblate‘ anfangen sollen. Deswegen steht auch bei jedem Kommunionspender (alles Priester) eine Security oder Nonne und sorgt dafür, dass die Menschen das Brot tatsächlich essen oder wieder zurück geben. Alles sehr ungewöhnlich und staunenswert!

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